So texten Sie besser

Ein stilistisch guter Text hat zwei Qualitäten: Er ist verständlich und regt die Vorstellungskraft an.

Sie möchten einen klaren, lebendigen Text schreiben. Dazu braucht es oft nur wenige Kniffe. Beachten Sie die folgenden Tipps – und schon fällt Ihnen das Texten eine Spur leichter.

Sammeln Sie Ideen
Es ist wenig sinnvoll, den Computer hochzufahren und aufs leere Textdokument zu starren. Nehmen Sie zuerst ein Blatt Papier. Überlegen Sie, was Ihre Leser wissen möchten: Was ist neu, wichtig, interessant? Notieren Sie alles, was Ihnen in den Sinn kommt, ohne sich selber zu zensurieren. Informieren Sie ausreichend, aber nicht uferlos. Sie können nie alles erklären; und Sie müssen es auch nicht.

Schreiben Sie drauflos
Wichtig ist zuerst der Inhalt. Am geschliffenen Ausdruck können Sie später arbeiten. Vergeuden Sie zu Beginn keine Zeit mit Sprachdetails.

Wählen Sie die Textsorte
Fragen Sie sich, welche Textsorte für Ihr Kommunikationsziel die richtige ist: Braucht es einen PR-Text, einen Werbetext oder einen redaktionellen Text? Oder einen Mix aus allem?

Formulieren Sie einfach
Schreiben Sie gradlinig – ohne Schwulst und Pathos. Wechseln Sie ab zwischen kurzen und mittellangen Sätzen. Geben Sie den mittellangen Sätzen eine klare Struktur. Wählen Sie möglichst kurze Wörter – weg mit den Lärmimmissionen, sagen Sie ganz einfach: Lärm.

Verbannen Sie Floskeln
Unser innovatives ProduktDie Kunden stehen bei uns im Mittelpunkt. Solche Formulierungen wirken phantasielos und wichtigtuerisch.

Streichen Sie überflüssige Wörter
«Alle acht Minuten wird in der Schweiz irgendwo eingebrochen.» Das irgendwo ist unnötig, weil jeder Einbruch irgendwo stattfindet.

Benutzen Sie Verben
Lebendige Texte enthalten viele Verben – aus der Schule bekannt als Tätigkeits- oder Zeitwörter. Was nicht ganz exakt ist. Denn Verben beschreiben nicht nur Handlungen (ich gehe ins Büro), sondern auch Vorgänge (es regnet), Zustände (Das Haus steht an der Kreuzung), Sinneseindrücke (hörst du den Krach?) und Bewusstseinsprozesse (Ich glaube, ich weiss, was du meinst).

Meiden Sie abstrakte Hauptwörter
Benutzen Sie Hauptwörter, die man sehen, hören, riechen und fühlen kann. Sagen Sie nicht: In Europa geht die Entwicklung Richtung Abnahme der Geburtenrate, sondern: Europäische Frauen bringen immer weniger Kinder zur Welt.

Meiden Sie Experten-Kauderwelsch
«Eingedenk der funktionalen Differenz als axiomatischer Tatbestand sind die tatsächlichen Handlungsoptionen in der antagonistischen Kooperation zwischen Journalismus und Public Relations immer wieder neu auszuloten.» Will heissen: Journalisten und PR-Fachleute haben unterschiedliche Aufgaben und deshalb das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne. Aber sie brauchen einander, und das erfordert Fingerspitzengefühl bei der Zusammenarbeit.

Formulieren Sie unzweideutig
«Doppelmord vor Obergericht» titelte eine Zeitung. Hatte jemand vor dem Gerichtsgebäude zwei Personen umgebracht? Natürlich nicht. Es muss heissen: Mutmasslicher Doppelmörder vor Obergericht.

Vermeiden Sie skurrile Bilder
«In drei Referaten wurde ein spannungsgeladener Teppich ausgerollt.» Oder: «Auch unter Brieftauben gibt es schwarze Schafe.»

Achtung vor ungewollter Komik
«Rakete verfehlte Atomkraftwerk: Wie konnte das passieren?»

Foto: Beat Hühnli

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